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Von Heimat und Fernweh

Heimat und Fernweh

Heimat.

Was bedeutet das für mich? Wo liegt meine Heimat?

Das habe ich mich die letzten Wochen häufig gefragt.

Nicht aus plötzlicher Grübelei oder Melancholie, vielmehr weil ich von anderen derzeit oft darauf angesprochen werde.

Egal ob auf Veranstaltungen in Berlin oder auch unterwegs. Es kommt immer wieder die Frage auf: Woher kommst du?

Antworte ich „aus Berlin“ oder „ich lebe in Berlin“ wird häufig nachgehackt. Du bist also eine echte Berlinerin oder du bist wirklich auch in Berlin geboren?

Gerade die vielen „Internationals“ scheinen es sehr genau zu nehmen und das obwohl sie sich häufig nur als Amerikaner, Spanier oder Franzosen vorstellen. Wahrscheinlich haben sie bereits die Erfahrung gemacht, dass in Berlin irgendwie jeder ein Zugezogener zu sein scheint und echte Berliner Mangelware sind.

Von Heimat und Fernweh
Mein Kiez in Berlin: Modersohn Brücke mit Blick auf den Bahnhof Ostkreuz

 

Sobald tiefer gebohrt wird erkläre ich, dass ich mittlerweile acht Jahre in Berlin lebe. Geboren und aufgewachsen bin ich in Eisenhüttenstadt. Dazwischen liegen allerdings 10 Jahre in denen ich auf 2 Kontinenten,  in 4 verschiedenen Ländern,  und 7 verschieden Städten lebte. Für solche Details bleibt natürlich keine Zeit. Auch nicht dafür, dass ich fast die Hälfte meines Lebens nicht mehr in meiner Heimatstadt lebe.

Diese Art der Begegnungen regen mich oft zum Nachdenken an. Was sagt es 18 Jahre nach dem Verlassen meiner Heimatstadt noch über mich als Person aus woher ich komme? Klar, im Osten aufgewachsen zu sein hat mich auf eine bestimmte Art und Weise geprägt und hat noch einen Einfluss auf mein Sein und Handeln. Zumindest in mir drin. Erkennbar ist das für die meisten meiner Mitmenschen, aber oft überhaupt nicht. Das weiß ich aus Erfahrung.

All meine anderen Erfahrungen und Abenteuer spielen da aber genauso rein. Oder etwa nicht?

Was hat also meine ursprüngliche Heimat noch wirklich mit mir zu tun?

Zugegeben war ich in den letzten Jahren häufig dort meine Eltern zu besuchen. Es fühlte sich heimisch an. Bis zu den Besuchen an denen meinen Eltern im Urlaub waren und ich an den Wochenenden hinfuhr den Garten zu wässern und auf den Kater aufzupassen. Die Umgebung war nach wie vor vertraut, aber ohne meine Mom fühlte sich das weniger heimisch an.

In den letzten Monaten diesen Jahres war ich oft dort. Ich half meinen Eltern beim Packen. Nach fast 36 Jahren in der Neubauwohnung mit dem schönsten Ausblick der Stadt, zogen sie kürzlich ins Eigenheim in eine komplett neue Stadt. Klar war mir irgendwie mulmig, als ich mich das letzte Mal, kurz vor dem Umzugstermin noch einmal in der halb leeren Wohnung umschaute. Das einzige Elternhaus an das ich mich erinnere.

Heimat Eisenhüttenstadt
Meine alte Heimat: Wohnen am Kanal in Eisenhüttenstadt

 

Aber ganz ehrlich? Ich fühle mich in dem neuen Haus und dem völlig fremden Ort jetzt schon wohl. Und das liegt nicht nur an dem schicken runden Wärme spendenden Ofen. Ich fühle mich wohl, weil meine Familie dort lebt.

Genauso wie ich bereits nächsten Sonntag in meiner zweiten Heimat Kansas City sein werde. Dort lebt meine ehemalige AuPair Familie, die ich seit meiner Zeit dort schon häufig besucht habe. Letztes Jahr erst war ich während meines Roadtrips durch den Mittleren Westen dort. Warum ich ausgerechnet bei fast allen meiner USA-Trips auch immer einen Abstecher nach Kansas einplane, verstehen selbst die meisten Amerikaner nicht so richtig. Ich lächle dann nur.

Heimat Kansas City
Meine amerikanische Heimat: die Straße vor dem Haus in Shawnee (Kansas City)

 

Neulich saß ich mit Studienfreunden bei Wein und Snacks einen ganzen Abend in Zürich zusammen. Obwohl wir uns fast vier Jahre nicht gesehen hatten, fühlte ich mich sofort heimisch mit ihnen, fast wie damals in meiner Studenten WG in Heilbronn. Eine Woche später in London ging es mir mit zwei anderen Freunden in einer Londoner Hotelbar sehr ähnlich.

Heimat, dass ist für mich schon lange nicht unbedingt ein bestimmter Ort. Heimat sind die Menschen, die mir vertraut sind und die ich liebe. Mein Fernweh ist zum Teil somit vielmehr oft nur der Trennungsschmerz von lieben Menschen, die um den Globus verteilt leben.

Was ist Heimat für Dich? Ein Ort? Ein Gefühl?

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0 Kommentare

  1. Schöner Text!
    Habe den Link zufällig auf Twitter entdeckt und konnte mich direkt mit dem „Heimatgefühl“ identifizieren – dass Heimat da ist, wo geliebte Menschen sind: Ja, diese Ansicht lässt sich gut nachvollziehen.
    Liebe Grüße!

    1. Hallo Thomas,

      danke fürs vorbeischauen 😉 Ich musste den Artikel auch gleich nochmal lesen und er passt nach wie vor.

      LG Synke

  2. Hallo Synke,
    Nun zur Heimat, ich lebe seit meinem 5. Lebensjahr in Hamburg und das ist für mich ein Stück Heimat und ich möchte nicht wirklich woanders dauerhaft leben. dann auf jedenfall der Norden .Ich sage immer scherzhaft bloß nicht südlich der Elbe aber in meinem inneren ist das wohl kein Scherz. Auf jeden Fall muß es wahrscheinlich der Norden sein.
    Der Begriff Heimat ist sicher mit Familie und guten Erinnerungen verbunden.
    Im Ausland mußte ich allerdings noch nie erklären ob ich auch Hamburgerin bin, da hat Berlin mit Sicherheit eine Sonderstellung.
    In den USA hatte ich oft folgende Erklärung Hamburg ? Europa – Deutschland – Hamburg – ach ja alles klar 🙂
    Deine Reiseberichte sind schön vor allem natürlich die Fotos , Orte an denen ich auch schon war Weden von mir natürlich besonders begierig aufgenommen .
    Liebe Grüße aus dem Norden
    Ella